Etatismus! Gleichheit! Brüderlichkeit!

"Auf der Uni dank Liebeslohn"

Aha. Ist das so? Gehen wir mal probehalber davon aus, dass ein Dekolltè noch keine Begründung für die obige Behauptung ist. Ich habe sie auf GMX gefunden in einem Artikel über schädliche Studiengebühren, der stammte von ... ? Vom investigativen Heroen schlechthin, dem Spiegel.

Liebe unbekannte Studentin, wenn das aber alles ist, was Ihnen gegen Studiengebühren einfällt, dann sind Sie im waagerechten Gewerbe wirklich besser aufgehoben als im Hörsaal einer Universität.

Wenn ich die Entrüstung über Studiengebühren richtig verstanden habe, geht die Argumentation wie folgt:

  • 1. Prämisse: Die einzige Möglichkeit, während des Studiums Geld zu verdienen, ist Prostitution.
  • 2. Prämisse: Prostitution ist verwerflich.
  • Konklusion: Studiengebühren sind verwerflich.

Jeder Viertklässler würde zumindest zur ersten Prämisse die Warum-Frage stellen: Warum ist das so? - Sie ist leicht zu widerlegen. Es sei denn, der kleine Frager hält Menschen für Roboter. Und das scheint heute common sense zu sein. Passend dazu: Begabtenbonus an einer Universität verstößt gegen geltendes Recht. Wow, was sind das für Demokraten! "Es ist rücksichtslos, immer nur die Besten zu fördern und anderen keine Chance zu geben. Überall gelten nur herzlose, materielle Werte!", schimpft der subventioniserfahrene Hartz-4 Student. Pardon. Hartz 4 kommt erst nach dem Studium.

Dass Studiengebühren verteufelt werden und (Leistungen) ohne Gegenleistung zu nehmen so normal ist, liegt m.E. auch an der Vermittlung wirtschaftlicher Themen in deutschen Lehrplänen, worauf Robert Grözinger im ef-online Blog eingeht. Er vergleicht ein Schulbuch aus Deutschland mit dem englischen Lehrstoff:

"Was mir jedoch im Vergleich zum englischen Lehrstoff auffällt ist im deutschen Lehrbuch die Betrachtung der Wirtschaft ausschließlich aus der Sicht des Staates, eine rein statische makroökonomische Betrachtung sowie die völlige Abwesenheit mikroökonomischer Konzepte, insbesondere des Preismechanismus."

SeinFazit dazu:

"Das Ganze ist so ungefähr so sinnvoll wie ein Grundkurs in Musiktheorie ohne die Begriffe Dur, Moll, Oktave, Quinte und Terz. Wo man statt dessen nur ein Bild eines Klaviers zeigt und dazu schreibt: Haut man auf die Tasten kommen Töne raus. Je stärker man draufhaut, desto lauter die Töne. Manche Töne klingen gut zusammen, andere nicht. Welche das sind, wird demokratisch bestimmt. Haut man zu stark drauf, geht das Klavier kaputt. Deshalb muss jeder Klavierspieler staatlich lizensiert sein."

Auch das Antibürokratieteam befasst sich mit dem Thema Wirtschaft als Bildungsthema. Wen es interessiert: unbedingt auch die Kommentare lesen, denn der Unterricht scheint nicht in allen Bundesländern/ Schulen so staatsgläubig abzulaufen.