Dem Mainstream folgen, Solidarität mit Burma fühlen?

Auf dem Weg durch das www war das Thema "Was passiert in Burma" ein roter Faden. In Italien haben Blogger dazu aufgerufen, als Protest in Blogs über Burma zu schreiben. In dem Blog basic thinking las ich vom Aufruf, am Mittwoch gar nichts im Blog zu schreiben, um Solidarität mit den burmesischen Widerständlern zu zeigen.

Am besten gefiel mir der Aufruf, seinen Blog rot einzufärben, vom sternenblog.

Aber was nützt das alles wirklich. Ist es nicht eher eine Art Selbstbetrug, ich sitze daheim und mache nichts, aber kann sagen, ich habe mich solidarisch gefühlt. Und das hat jetzt dem Demonstranten in Burma, der was vor den Kopf bekommt oder einer burmesischen Familie, deren Haus gerade niedergebrannt wurde, total Kraft gegeben, sie wissen jetzt, dass jemand sich mit ihnen solidarisch fühlt?

Das "solidarisch fühlen" ist eh etwas sonderbar, eigentlich doch nur eine Emotion, die grad gefühlt wird und dann? Es brennt in der ganzen Welt, Menschen hungern, werden aus ihrer Heimat vertrieben, leben im Krieg. Je nachdem, wie es von den Medien aufbereitet wird, fühlen sich andere Menschen solidarisch oder eben nicht. Aber es ändert nichts am Geschehen.

Wenn wir den Gedanken mal umdrehen, ich fühle mich solidarisch mit…, dann kommt etwas wie, ich bin gegen… heraus. Da kann ich eher etwas mit anfangen. Im Fall von Burma ist es wohl China. Also, ich bin gegen das, was durch die chinesische Regierung geschieht. Ich könnte also beispielsweise nichts mehr kaufen mit der Aufschrift "made in china". Bringt das denn was?

Die Wirtschaft ist jedenfalls eine Triebfeder für politische Aktionen. Aus wirtschaftlichen Bedenken wird viel getan oder unterlassen. Wenn ein Politiker einen anderen besucht, dann geht es immer um wirtschaftliche Interessen. Viele westliche Staaten haben sich aus Burma zurückgezogen. Es gibt Länder, die dort aber expandieren, zum Beispiel China.

China boomt auf dem Wirtschaftssektor und die westeuropäische Welt will Aufträge, auch aus China. So ist ein Bericht auf förderland zu finden, über einen Auftrag aus China, in Höhe von 65 Millionen Euro.

Oder auf www.cio.de ist ein Bericht, dass Nokia Siemens von China einen Auftrag erhalten hat, das Mobilfunknetz einer chinesischen Firma aufzurüsten, der Auftragswert wird bei 180 Millionen Euro angesiedelt.

Es gibt einige Ölkonzerne, die im Ölgeschäft in Burma stecken. Zu ihnen sollen die Firmen Total und Elf sowie Texaco, Unocal, Amoco, British Premier of UK, Nippon Oil gehören.

So, und nun sitzt man hier in Deutschland, ist auch noch Hartz-Geld-Empfänger. Nicht mal streiken kann man da. Wer eine Arbeit hat, der wird auch kaum daran denken, die durch einen Streik zu riskieren - seinen Job für burmesische Menschen zu riskieren. So bleibt wohl nichts anderes übrig, kund zu geben, ich fühle mich solidarisch…

Tja, nun habe ich dem einen Aufruf, über Burma was zu schreiben, Folge geleistet. Da ich in der Woche kaum blogge, werde ich wohl auch dem Aufruf, am Mittwoch ein stilles Blog zu haben, automatisch Folge leisten.

Aber am schlimmste, ich fühle mich auch solidarisch mit den Demonstranten. Habe selber mal auf der Straße gesessen und zum Glück nur Gummiknüppel und Wasserwerfer als "Bedrohung" gehabt. Da ich immer beim Landhandel tanke, wäre ein Aufkleber gegen Öl aus Burma auch reiner Selbstbetrug.

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Kommentare

Ich hatte mich auch gefragt, was und wieso ich etwas für die Burmesen tun sollte. Warum nicht für die Menschen in der Sahelzone? Jahrelang Dürre dort -> nix zu beissen, ausser es kommt von der UNO. Dann Regen -> Überschwemmungen und wieder nix zu beissen, ausser ...

Oder für die Iraker, oder die Nordkoreaner, oder ...? Und wegen alldem halte ich es für meinen Beitrag gegen das Leid, Hunger, Armut, Gewalt in der Welt, selbst nicht arm zu sein & zuerst mein Leben auf die Reihe zu kriegen.

Alle anderen: bitte solange im Wartezimmer Platz nehmen oder meinem Beispiel folgen :)

Hallo

der Unterschied liegt aber doch darin, einerseits ist eine Naturkatastrophe der Auslöser für Leid und andererseits der Machtanspruch von Menschen über andere.

Nachdem ich den Beitrag geschrieben hatte fand ich auf youtube unter vielen Beiträgen aus Burma folgenden (es sind gesamt 3 Teile):

ok, ich kann kein Wort verstehen worum es demjenigen geht, der diesen Beitrag eingestellt hat. Allerdings sind die Gegensätze krass.

Und warum sollten Menschen das Recht haben, nur weil sie die Kohle haben Waffen zu bezahlen, andere Menschen zu unterdrücken und zu benutzen.

So etwas fängt doch oft schon im kleinen an. In der Schule hat das Kind mit dem meisten Taschengeld, meist auch die meisten Freunde. Oder, ich fahre einen Benz, weil dann andere auf der Straße platz machen...

Der Sachbearbeiter, der Stress hat und weil er sich dann besser fühlt, dem nächsten Arbeitslosen mal sagt wo der Hammer hängt.

Ich halte lieber die Klappe in der Firma, weil ich meinen Job verlieren könnte, obwohl ich es auch nicht gut finde, dass der Chef Frau Meier unter den Rock faßt...

Burma und die Zustände, die tragen alle Menschen in sich.