Pro IT: kostenlose Computer für Hartz IV Empfänger

Vor kurzem lernte ich Oliver Püschel kennen. Er arbeitet in einem Projekt mit dem Ziel, Empfängern von ALG2 einen kostenlosen Computer zur Verfügung zu stellen. Mich hat diese Initiative sofort begeistert und es freut mich, euch Pro IT vorstellen zu können.

Herr Püschel, wann und wie wurde die Idee zu Pro IT geboren?

2007 stellte die Berliner Spd einen Antrag der regeln sollte, dass Alg 2 Empfänger ein Recht auf einen Computer nebst Internetzugang erhalten sollten. Was dies steuerlich für Erwerbstätige bedeuten würde, können Sie sich sicher denken. (Quelle)

Bitte schildern Sie kurz den Werdegang des Projekts bis heute.

Das Projekt Pro IT wurde in Goslar von der ARGE ins Leben gerufen, dort dann eingestellt und hier fortgeführt.

Dass in unserer Wissensgesellschaft ein Zugang zum größten Datennetz essentiell ist, gehört seit Jahren zu den Allgemeinplätzen in Wirtschaft und Politik. Doch meines Wissens wurde dabei jahrelang nicht an Erwerbslose gedacht. Wie schwer oder leicht ist es heute, den Sinn von Pro IT zu vermitteln?

Um dies zu beantworten möchte ich auf die erste Frage verweisen. Der Sinn des Projektes ist für jedermann klar zu erkennen, da es zum einen gilt, die Staatskasse und somit den Steuerzahler zu entlasten und zum anderen, nicht Erwerbstätige bei Ihrer Arbeitsfindung zu unterstützen, wie wir dies in Form von Bewerbungsguides auf unserer Webseite und der Vergabe von internetfähigen Computern tun.

Das beste ist, dass die größte Spendenbereitschaft von Alg2 Empfängern kommt, die noch irgendwo einen Rechner stehen hatten, den aber nicht mehr benötigten.

Zwar wird das Projekt zurzeit ebenfalls von der Arge finanziert, doch das Budget, welches uns monatlich zur Verfügung steht, ist als äußerst gering einzustufen. Zudem finden hier auch ungelernte und IT - Fremde die Möglichkeit zur Reaktivierung und dem Wiedereinstieg in das Berufsleben, in Form eines so genannten 1 Euro Jobs.

Gebrauchte PC-Komponenten kosten Geld und die Neumontage ebenfalls. Oder? Können Sie etwas zur Kostenkalkulation eines Gerätes sagen?

Das uns zur Verfügung gestellte Budget ist so gering, dass es nicht möglich ist ein komplettes System zu finanzieren. Hier sind wir auf jedwede Art von Spenden angewiesen die in Form von alt - Geräten oder Computerteilen bei uns Verwendung finden. Der Finanzielle Rückhalt dient in erster Linie der Beschaffung von Ersatzteilen, die in gebrauchten Geräten defekt oder nicht mehr vorhanden sind oder einigen Computer - Einzelteilen die manchmal ein Second Hand Händler günstig Veräußert. An dieser Stelle möchte ich gerne erwähnen, dass Spenden von PC oder PC Komponenten, falls die Möglichkeit besteht, vor Ort abgegeben werden können. Die Neumontage von alt -Geräten geschieht durch 1 Euro Job vergaben. Des Weiteren haben Teilnehmer der Maßnahme die Möglichkeit ihre Kenntnisse und Fertigkeiten aufzufrischen oder zu erwerben. Dieser 1 Euro Job beinhaltet ebenso das beschaffen von gebrauchten Geräten.

Ist das Betriebssystem nur in Deutsch oder sind andere Spracheinstellungen möglich, z.B. für Türkisch oder Russisch?

In den meisten Fällen Installieren wir Ubuntu als OEM Version, eine sehr gut Supportete und in vielen Sprachen erhältliche Linux Distribution. Es kommt jedoch auch vor, dass ein Motherboard eine Distribution nicht unterstützt woraufhin wir dann gezwungen sind ein alternatives Betriebsystem mit nicht ganz so viel Support und/oder Sprachpaketen zu installieren.

Auf der Pro IT Webseite steht, ALG-II Empfänger sollen sich an ihren Sachbearbeiter wenden, um den Bedarf zu klären. Gibt es schon Erfahrungswerte, wie die Beantragung in Argen außerhalb des Kreises Holzminden läuft?

Hierzu ist uns leider nichts bekannt. Doch die Vermutung liegt nahe, dass dies einheitlich gehandhabt wird.

Wer einen Computer von Pro IT benötigt, wendet sich also an seinen Sachbearbeiter und sagt, da gibt es im Landkreis Holzminden Pro IT... Wenn Sie mir bestätigen, dass ich den PC brauche, kann ich dort kostenlos einen bekommen. - Geht das prinzipiell so einfach oder was gehört noch dazu?

Generell kann man sagen, dass wie überall nach gewissen Paragraphen verfahren wird. Sind die dort aufgeführten Punkte erfüllt, steht einer Überlassungsvereinbarung eigentlich nichts mehr im Wege, da Eigeninitiative und Engagement immer gern gesehen werden. Wer Alg2 empfängt, kann, wenn der Lagerbestand es zulässt, ein Computer Komplettpaket empfangen.

Wie finanziert sich Pro IT?

Durch die Arge selbst. Aus welchem Topf schlussendlich die Gelder kommen ist uns leider nicht bekannt. Da ich persönlich sehr von diesem Projekt überzeugt bin, habe ich bereits schon viel Freizeit und den einen oder anderen Euro in das Projekt investiert, und mich bereit erklärt, falls es auch in unserer Region eines Tages wie in Goslar zuvor, eingestellt werden sollte, ehrenamtlich in Sachen Pro IT tätig zu werden.

Die Motivation hierzu bekommt man, wenn man sieht, wie erfreut jemand ist, der endlich einmal ohne Wiederhaken etwas bekommt, für das er nichts weiter tun muss als sich für sich selbst zu engagieren. Und das beste ist, dass die größte Einsatzbereitschaft bezüglich der Spenden von Alg2 Empfängern selbst ausgeht, die noch irgendwo auf dem Dachboden oder im Keller einen Rechner stehen hatten, den aber nicht mehr benötigten.

Gibt es schon Schwesterprojekte in anderen Regionen? Oder ist das geplant?

Mir ist Zurzeit nur ein einziges vergleichbares Projekt bekannt. Dieses hat seinen Sitz in Hamburg ( http://www.pc-opi.de/ ) und ist gänzlich frei von Förderung jeglicher finanzieller Art. Dort plant man jedoch die Hamburger Initiative in einen eingetragen Verein umzuwandeln. Was dies geschäftsmäßig nach sich zieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Herr Püschel, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Pro IT!

Link: Besuchen Sie Pro IT im Internet