Milch - der neue Luxus

Die Bundesregierung hält den rasanten Preisanstieg bei Milchprodukten für völlig überzogen. «Es ist gut, wenn die Bauern mehr bekommen, es wäre aber schlecht, sollte der Handel die Situation jetzt ausnutzen», sagte Agrarminister Horst Seehofer (CSU) am Montag.

Und was genau hat er damit gesagt? Er will den Firmen vorschreiben, wie sie agieren. Macht nichts - so oder so wird Milch, einst das Getränk der kleinen Leute, ein Luxusprodukt. Das weiße Gold! Hach, wie herrlich! Made in Germany zählt wieder was!

Die höheren Erzeugerpreise und die weltweite Verknappung von Milch und Milchprodukten rechtfertigten für Herrn Agrarminister Seehofer keine Belastung der Verbraucher um weitere 40%. Ein Päckchen Butter könnte nach Berechnung der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) mehr als 35 Cent teurer werden, eine kleine Packung Quark um mehr als zehn Cent. Der Bauernverband allerdings sieht hier nur den Anfang des Aufschwungs und rechnet mit weiteren Erhöhungen.

Warum eigentlich? Abgesehen von einigen Dürren in Australien sind es die Chinesen und Russen, die unsere deutsche Milch wegsaufen als wär's ... ein normales Getränk. Mich würde interessieren, ob dort auch die Preise um fast die Hälfte steigen. Eine Frechheit: der russische Magen ist nur für Wodka und Brot ausgelegt, der chinesische Magen für Reis, Wasser und Tee. Aber Milch?? Von der Kuh?? - Sicher steigen als nächstes die Preise für Magentabletten, weil die Asiaten die Drogerien leerkaufen...

Gut zu wissen: Das Bundeskartellamt will die Preise unter die Lupe nehmen. Wenn die die Lupe weglegen, kann die Politik frohlocken, denn das Sommerloch ist endlich gestopft. Mit unserer Milch. Dem Kartellamt erscheint es nämlich seltsam, dass die Preise für Milchprodukte flächendeckend angehoben werden sollten. «Abzocke» hört man von den Grünen:. «Die Milchbauern kriegen nur ein paar Cent mehr pro Liter, den Rest kassiert der Handel», sagte die stellvertretende Grünen- Fraktionschefin Bärbel Höhn. Frau Tackmann von der Linksfraktion befürchtet, dass Milchprodukte für Familien mit geringem Einkommen zu teuer werden könnten.

Und was ist mit den Bauern? Sie halten Butter und Quark weiter für bezahlbar. (Stimmt. Auch ein Maybach ist bezahlbar. Die Frage ist, für wen und wie oft). Wir müssen nur 2.500 Jahre zurückgehen und wissen: im alten Ägypten war ein Milchbad ein Luxus der Phraoengemahlin. Ergo: heute sind wir viel besser dran:)

Wie auch immer: Die Milchbauern kritisieren, dass bei ihnen bisher nichts von den ab 1.8. anstehenden Preiserhöhungen angekommen ist. Molkereien und Discounter haben das unter sich geregelt. Die Milcherzeuger rechnen im Lauf des Jahres mit weiteren Preissteigerungen. Kokosmilch könnte eine Alternative werden...

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