Ich muss umziehen... Was tun?

Die freie Wahl der Wohnung wird im Hartz-4 Bezug in zwei möglichen Fällen erschwert:

  • Entweder gibt es eine Auflage zur Mietminderung: das Amt sagt, Sie müssen umziehen oder die Miete senken ... aber oft will der Betroffene das nicht.
  • Oder jemand will umziehen, aber die Arge entscheidet, der geplante Umzug sei nicht erforderlich. Viele Umzugswillige sind dann verunsichert, weil sie glauben, das wäre gleichbedeutend mit: Sie dürfen nicht umziehen (was ein Missverständnis ist)

Kann man zum Umzug gezwungen werden? Nein.

Sehen wir uns den ersten Fall an: die Arge teilt Ihnen mit, Sie müssen *irgendwie* die Miete senken oder in eine billigere Wohnung umziehen. Aber Sie als Betroffener wollen das nicht.

Ich muss umziehen, aber will nicht: Zwangsumzug

Den Zwangsumzug können Sie mit etwas Geschick vermeiden. Prüfen Sie zunächst, ob Sie mit dem Vermieter verhandeln können, um die Miete zu senken. Vielleicht übernehmen Sie Hausmeisterarbeiten, Gartenpflege oder eine Renovierung? Oder Sie können untervermieten? Wenn die Wohnungsaufteilung es erlaubt, wäre das eine gute Möglichkeit.

Wenn das nicht geht, sehen wir uns mal die Möglichkeiten an, die Sie dann noch haben. Sie müssen nicht umziehen, wenn einer der folgenden Fälle auf Sie zutrifft:

  • Sie sind körperlich behindert und der Umzug wäre nicht wirtschaftlich. Sie brauchen entsprechende Belege von Ihrem Arzt und Kostenvoranschläge von Speditionen, um der Arge zu zeigen, dass ein Umzug nicht in deren Sinne ist.
  • Sie sind pflegebedürftig und die Pflege, die Sie derzeit bekommen, wäre am anderen Wohnort nicht möglich. Oder die derzeitige Wohnung ist z.B. barrierefrei und durch dieses besondere Merkmal nicht durch andere Wohnungen ersetzbar.
  • Ähnliche Überlegungen können Sie im Fall schwerer chronischer Krankheit anstellen - und wie zuvor schon gilt: Sie müssen das Besondere Ihrer Wohnsituation glaubhaft belegen. Fragen Sie Ihren Arzt, die Krankenkasse, den Vermieter, ... um Belege.
  • Sie haben in Ihrer momentanen Wohnung wichtige soziale Kontakte wie Kindergarten und Schule in der Nähe? Ein Wechsel in andere Einrichtungen wäre dem Kind nicht zuzumuten? Nun, das kann ein Grund sein, aber es reicht nicht, dass Sie das so sehen. Sie müssen es belegen. Entweder kann Ihr Hausarzt das tun oder Ihnen eine Anlaufstelle nennen, die sich mit diesen Fragen seriös befasst.
  • Schließlich können Sie die Differenz zwischen tatsächlicher Miete und den 'Kosten für angemessenen Wohnraum' selbst bezahlen. Die Sachbearbeiter denken meist nicht an diese Möglichkeit - schlagen Sie sie vor. Verhandeln Sie.

All das können Gründe sein, in Ihrer Wohnung wohnen zu bleiben. Es läuft darauf hinaus, dass ein Umzug aus medizinischer Sicht nicht zumutbar ist. Dann können Sie in Ihrer Wohnung bleiben.

Ich muss/ will unbedingt umziehen, aber darf nicht?

Sehen wir uns nun den zweiten Fall an: die Arge teilt Ihnen mit, Sie dürfen nicht umziehen. Das geschieht meist mündlich, denn es gibt keine Regelung, die Ihnen das verbietet. Es ist kein Zufall, dass Betroffene erstmal verunsichert sind und es so verstehen, dass sie das nicht tun können. Holen Sie zunächst unverbindlich Preisangebote ein - dann wissen Sie, was Ihr Umzug in Zahlen bedeutet. Mit Zahlen kann man planen.

Der Wunsch umzuziehen kann aufkommen, wenn...

  • Ich will zu meinem Freund/ meiner Freundin ziehen...
  • Ich brauche eine größere Wohnung
  • Ich will aus der Wohnung der Eltern ausziehen
  • Ich habe in einer anderen Stadt/ durch Bekannte Arbeit in Aussicht, und will das machen, auch wenn es noch nicht ganz sicher ist. (Ganz anders läge der Fall, wenn Sie einen Arbeitsvertrag haben: der Arge vorlegen und der Umzug wird bewilligt)
  • Ich kann mit meinem Partner nicht mehr und will aus der gemeinsamen Wohnung unbedingt ausziehen.
  • ...

Fakt ist: Sie können jederzeit nach überallhin umziehen. Im Fall, dass Ihr Umzugswunsch nicht als erforderlich anerkannt wird, bedeutet Umzug,

  • dass Sie die Umzugskosten und Kosten für Renovierung selbst bezahlen müssen
  • dass in der neuen Wohnung vom Sozialamt nur soviel KdU (Miete) gezahlt wird, wie in der alten Wohnung bezahlt wurden
  • dass Sie für die Zeit von Abmeldung bei der bisherigen Arge bis zur Zahlung durch die neue Arge ohne Geld vom Amt überbrücken müssen

Sicher, das ist gewichtig genug. Nur ob Sie das tun, ist IHRE Entscheidung. Und das ist was ganz anderes, als die falsche Aussage, Sie dürfen nicht umziehen.

Wann ist ein Umzug erforderlich?

  • Wenn die alte Wohnung gesundheitlich oder psychisch unzumutbar ist. Seriöse Atteste von Arzt oder Experten müssen vorliegen.
  • Wenn der Vermieter gravierende Mängel nicht behebt. Um das zu klären, ist der Mieterbund eine hilfreiche Anlaufstelle.
  • Wenn der Vermieter Ihnen kündigt.
  • Wenn die ehemals gemeinsame Wohnung nach Trennung zu groß (genauer: zu teuer) für Sie allein ist.
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