Ernährung mit dem Regelsatz. Ein Selbstversuch

Hartz-4-Ernährung: das Geld ist knapp, muss ich etwas ändern oder der Staat? Die Frage wird oft gestellt und beantwortet, bevor das Thema ausreichend bekannt ist.

Sind die finanziellen Ressourcen begrenzt, merkt man das auch - und ganz direkt beim Essen: Sei es, dass es insgesamt zu wenig ist und man hungert, sei es, dass es nur satt macht ohne zu schmecken, sei es, dass es nicht so abwechslungsreich wie gewünscht ist.

Nun kann man, wenn die eigene Erwartung und die Wirklichkeit nicht übereinstimmen, auf zwei Arten reagieren. Was erst kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach:

  • man lernt daraus (kognitives Modalisieren) - man passt die Erwartung an die Fakten an und verändert seine Vorstellungen/ Erwartungen, z.B. da das Geld nicht reicht, um das Gewünschte zu essen, braucht man mehr Einnahmen. Die Lösung könnte in einem Nebenjob liegen.
  • man bewertet die Situation (normatives Modalisieren) - man trifft ein Werturteil über die Abweichung von Vorstellung und Tatsachen, z.B. "Das System, das mir nur den Betrag X zur Verfügung stellt, ist ungerecht, weil ich damit meine Vorstellung nicht umsetzen kann." Dabei verändert man die eigene Vorstellung, wie 'die Dinge zu laufen haben' nicht. Die Lösung könnte in einer Petition an den Bundestag liegen.

Im ersten Fall akzeptiert man die Situation, wie sie ist und ändert bei sich etwas. Im zweiten Fall ist die eigene Vorstellung maßgebend und unveränderlich. Man ändert nicht die eigene Vorstellung, sondern erwartet, dass andere etwas ändern. Keine der beiden Optionen ist prinzipiell schlechter oder besser als die andere. Jeder kann nur selbst im Einzelfall entscheiden, welche er wählt.

Um nun zum eigentlichen Thema zu kommen... Gerade in der Diskussion um die mit dem Hartz 4 Regelsatz mögliche Ernährung wird überwiegend bewertet und aus der Kritik folgt, dass die Sätze erhöht werden müssen. Solange das nicht in Aussicht gestellt wird, gilt ALG2 als ungerecht u.ä. Was ändert sich? Nichts.

Jetzt als Antwort darauf die erste Möglichkeit zu empfehlen, wäre vielleicht auch zu pauschal. Aber im Blog Welfare and Economics wird seit einiger Zeit über einen Selbstversuch mit dem Hartz-4 Ernährungssatz berichtet. Mittlerweile geht der Selbstversuch 13 Tage. Die Sachlichkeit, neutrale Offenheit und Ausdauer des Experiments sind beispielhaft. Ein sehr lesenswerter Kommentar geht auf die möglichen Folgen dieser Selbststudie ein. Kurzum: für mich die derzeit wichtigste Auseinandersetzung mit der Frage, wie lebt es sich mit ALG 2?

Kommentare

Hallo,

zu diesem Thema, das ergaben zumindest meine Recherchen, gab es jüngst einen Fernsehbeitrag (sternTV) mit Günter Jauch.

Vorgestellt wurden die Verfasser eines Kochbuches speziell für die Zielgruppe der Hartz IV Empfänger.

Der Begriff "Hartz IV" lässt es mir immer erschaudern. Ich bin auch etwas irritiert durch Begrifflichkeiten wie "Kunde" = so werde ich im Jobcenter angesprochen. "Haben Sie Ihre Kundennummer?" fragt der/die Beschäftigte. Ich bin ein Kunde! Hier? Wie kann das sein, frage ich mich. Wo wir doch alle gelernt haben das ein Kunde mit Erwartungen und ein Dienstleister mit Erfüllungen aufwartet.

 

Zum Kochbuch, oder eher einer bunten Mischung aus einfachen Rezepten.

 

Die Idee ein Kochbuch zu verfassen ist nicht verwerflich, ganz im Gegenteil. Möglicherweise vermuten das damit eine gewisse Kernaussage verbunden ist, die zeigt mit wie wenig ein jeder der 7,4 Millionen Regelsatzempfänger satt werden kann, schon eher. Oder etwa nicht? Das Kochbuch ist als pdf von sternTV per Download zu erreichen. Wer sich mit den Preisen der Waren, diese sind auf das Gramm abgewogen und aufgelistet zum Produkt dargestellt, beschäftigt, dem wird schnell folgendes klar:

- die Berechnung liegt einer Bedarfsgemeinschaft von mehr als 1 Person zugrunde

- es wurden ausschliesslich die Waren berücksichtigt, nicht jedoch deren Beschaffung, der Transport, der Lagerung, der Zubereitung sowie der Entsorgung von Verpackungen und Wertstoffen, sowie der dazu benötigten Arbeitsgeräte und Energien

Es wäre verwunderlich wenn ein Single-Haushalt nicht in die Gefahr kommt andere Budgets des Regelsatzes heranzuziehen um die Ausgaben zu decken. Am Ende des Monats, wenn Bilanz gezogen wird, könnte im besten Fall eine Null dabei herauskommen, im schlechtesten Fall ein Fehlbetrag.

 

Aber wir brauchen gar nicht erst anfangen zu rechnen, die Preise für die Waren sind an dem Tag der Erhebung bereits Geschichte. Oder gibt es keine Inflation mehr? Keine Teuerungsrate?

Wir brauchen uns auch die Referenzfamilie nicht anschauen, die es tatsächlich geschafft hat sich erquickend über einen ganzen Monat hinweg nach der Vorlage des Kochbuches zu ernähren, und wir werden es glauben müssen, am Ende des Monats noch Geld übrig hatte.

Es bleibt fraglich ob ideenreiche Erfinder es vielleicht versäumen darüber nachzudenken, wie aus den übrigen 60%, immerhin der Löwenanteil, auch noch was nach unten korrigiert werden könnte.

Möglich ist alles.

Schaut Euch die Tagespresse an!

 

-V-

Hallo -V-

Was du da schreibst, "es wurden ausschliesslich die Waren berücksichtigt, nicht jedoch deren Beschaffung, der Transport, der Lagerung, der Zubereitung sowie der Entsorgung von Verpackungen und Wertstoffen, sowie der dazu benötigten Arbeitsgeräte und Energien"

... ist ein interessanter Punkt! Das wird so gut wie nie erwähnt, wenn es um ausreichende Sätze geht.

Hallo,

passend zum Hartz 4 Regelsatz habe ich mir die Surchergebnisse bei google für kostenlose Hartz 4 Rechner angesehen. Die Hälfte der Ergebnisse war mangelhaft, der Rest ok. Es gibt einen eindeutigen Testsieger, wer das ist lest ihr in diesem Artikel. Schaut mal rein, über eure Kommentare freue ich mich. Hier Link www.spar-maschine.de/2010/12/13/die-top-10-der-besten-hartz-4-rechner-im-test/