Das Geschäft mit Hartz 4

Unter der Überschrift "Wohnen, Würde, Widerstand!" macht sich eine Berliner Gruppe stark gegen Zwangsumzüge. Wenn ein Hartz4 Empfänger eine teurere Wohnung hat als die kommunale Ausführungsvorschrift Wohnen vorsieht, wird er aufgefordert, die Miete zu senken. Im Klartext heißt das: in eine billigere Wohnung umziehen. Oder natürlich, den Restbetrag selbst zu zahlen. Nur das scheint für die Aktivisten keine auch nur nennenswerte Option zu sein.

Ergebnis der Aktivisten "gegen Zwangsumzüge" (mir stellt sich die Frage, wo lernt man solch markige Parolen?) ist ein Notruftelefon. Unterstützung, Aufklärung usw. im Fall der Fälle. Soweit so gut.

Und dann schreiben sie, "Die Interpretation dieser Gesellschaft kann nicht denen überlassen bleiben, die vor allem daran verdienen und sich mit millionenschweren Ablösesummen von deutschen Gerichten freikaufen können." Wer könnte damit gemeint sein? Wer verdient an der Gesellschaft? Politiker? Das ist Ansichtssache; zu der Ansicht kann man kommen, wenn man sie so einschätzt, dass sie ihr Gehalt nicht wert sind.

Oder sind die Unternehmer, Firmeninhaber und Manager gemeint? Die, die aufgerufen werden, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, um mehr Arbeitslose zu beschäftigen? Das wäre dann allerdings seltsam ... dass die, die die Gesellschaft am Leben erhalten, sie nicht gestalten sollten. Sie tun es faktisch eh schon.

Eine dritte Möglichkeit sehe ich noch: An der Gesellschaft verdienen die selbsternannten Anwälte der Entrechteten. Sie fordern ohne Gegenleistung und legitimieren das dadurch, dass sie nicht für sich selbst fordern, sondern für die Anderen. Die Hilfebedürftigen, die Armen, die Minderheiten. Parteien fordern Geld für Sozialinitiativen, diese fordern es für ihre Klienten in spe. Man hält die Hand auf und ruft, es ist ja nicht für mich, es ist für die anderen.

Dass denen nicht die Interpretation der Gesellschaft überlassen werden soll, sehe ich auch so. Denn je mehr sie mitreden, desto eher wird Hartz 4 der allgemeine Standard.