Hartz IV trotz Arbeit: lohnt sich Arbeit überhaupt noch?

Das kommt darauf an: Je größer die Familie, desto kleiner der Astand zu Hartz IV. Für so manchen Arbeitnehmer lohnt es sich kaum, morgens aufzustehen. Aus finanzieller Sicht könnte er auch einfach zu Hause bleiben und ALG 2 beantragen.

"Leistung muss sich lohnen!" - ein hehres Wahlkampfmotto der CDU aus längst vergessenen Tagen. Doch dieser Grundsatz steht auch im neuen Grundsatzprogramm der Christdemokraten vom Parteitag Ende 2007: "Es entspricht dem Grundsatz der Leistungsgerechtigkeit, dass man, wenn man arbeitet, mehr hat, als wenn man nicht arbeitet. Wir wollen Arbeit statt Arbeitslosigkeit fördern."

Hartz IV oder Arbeit

Will die Regierungspartei das wirklich? Lohnt sich in der Praxis die Arbeit noch für den Durchschnittsverdiener? Oder lässt sich Arbeit nur noch mit unmodernen "deutschen" Werten (Fleiß, Pünktlichkeit, ...) und Gewohnheit rechtfertigen?

Viele Beschäftigte fragen sich das angesichts steigender Abgabelasten und karger Lohnrunden. Und die Arbeitgeber genauso: Lohnt es sich noch, so viele Arbeitnehmer einzusetzen? Amerikaner finden den deutschen Sozialstaat nur absurd. "Das moderne deutsche Wirtschaftswunder ist die Tatsache, dass angesichts des Niveaus von Löhnen, Sozialleistungen und Regulierungen überhaupt noch Jobs übrig geblieen sind.", spottet der US Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugmann.

Die Abwärtsspirale

Je höher die Grundsicherung, desto niedriger die Akzeptanz, zu einem geringen Lohn zu arbeiten. Je weniger Produzenten, desto höher wird jeder einzelne mit Steuern und Sozialabgaben geschröpft. Arbeitnehmer als Melkkuh der Nation? Vergleichen wir das mal: Hartz IV oder Lohnarbeit, wo kommt mehr raus?

Durchschnittseinkommen gegen Hartz IV

Man muss die beiden vergleichen, um zu wissen, was besser ist: Hartz IV trotz Arbeit? Mehr arbeiten? Oder Hartz IV ohne Arbeit?

Der Bund der Steuerzahler hat einige Fälle durchgerechnet. Seine Antwort auf die Frage: Es kommt darauf an. Gut verdienende Singles haben durch Arbeit am Ende auch deutlich mehr Geld in der Tasche als ohne. Wer wenig verdient und noch Familie hat, schneidet gegen die staatliche Stütze immer schlechter ab. Und in einigen Fällen kann man aus finanzieller Sicht genau so gut zu Hause bleiben.

  • Ein durchschnittlicher Angestellter verdiente im Jahr 2007 3510,- Euro/ Monat brutto. Mit Ehegattensplittung und Kindergeld sind das 2833,62 Euro netto: 908,62 Euro mehr als jemand, der ALG 2 bezieht.
  • Ein alleinstehender Arbeiter im Gastgewerbe verdiente 1099 Euro netto. Das sind 435,07 Euro mehr als Hartz IV. Beim Single mit Kind schrumpft das Plus auf 363,81 Euro. Mit zwei Kindern und einem nicht arbeitenden Ehepartner schneidet der typische Gastronomie-Angestellte nur 1,45 Euro besser als wenn er Hartz IV bezieht.

Der Bund der Steuerzahler bringt es auf den Punkt: Damit ist jeder Leistungsanreiz erstickt. Das Problem sind allerdings weniger die zu hohen ALG-2-Zahlungen, sondern viel mehr die zu hohen Abgaben des Arbeitenden. Geld kann kein Arbeitsanreiz sein für

  • Geringverdiener ist der Abstand zur staatlichen Stütze zu gering
  • für mittlere und höhere Einkommen wird jeder zusätzliche Euro durch Steuern abgewertet

Was man an dieser Lohn- und Steuerpolitik erkennt: das wirkliche Ziel der Regierung ist ein Arme-Leute-Land, in dem man für Leistung bestraft wird. Die Unfähigen sind das Maß der Dinge.

Wer gewinnt durch Hartz IV trotz Arbeit?

Mit Hartz IV stehen langzeitarbeitslose Geringverdiener mit großer Familie besser da als durch Arbeit. Facharbeiter, die Single sind, haben dadurch verloren. Die "Streber", die "Karrieristen" - im Hartz IV Land laufen sie eiskalt auf. Prost Genossen!

1,3 Millionen Menschen gingen 2007 arbeiten und bezogen außerdem Arbeitslosengeld II. Zumeist arbeiten sie Teilzeit oder als Minijobber. Doch ein Drittel der "Aufstocker" arbeitet Vollzeit. Bei ihnen ist Hartz IV höher als das Einkommen.

Quellen: Bund der Steuerzahler, FAZ vom 5.12. 2007

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