Die Arbeitslosigkeit in Deutschland und die Ölkrise
Bis zur Ölkrise lief es wirtschaftlich in Deutschland ganz gut. Die Arbeitslosigkeit stieg zwar 1966/1967 kurzfristig auf 2,1%. Aber meist blieb die Arbeitslosenkote sogar unter den 1,3% von 1960. Ein Anstieg war in der Regel durch die Wintersaison bedingt. Es herrschte insgesamt ein Mangel an Arbeitskräften.
Aber lag es nur am Wirtschaftswachstum, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland damals so niedrig war? Zu dieser Zeit gab es immer weniger Menschen, die noch im erwerbstätigen Alter waren. Durch den Krieg und die geburtenschwachen Jahre waren nicht genügend Menschen im arbeitsfähigen Alter da. Die Zeiten für die Ausbildung wurden länger und die Arbeitszeiten wurden kürzer.
Dem Mangel an Arbeitskräften versuchte man entgegenzutreten, indem überall in Europa Gastarbeiter angeworben wurden. In den Jahren zwischen 1961 und 1973 stieg der Ausländeranteil in Deutschland auf über 3 Millionen, es waren etwa 2 Millionen ausländische Arbeitnehmer.
Dann kam die Ölkrise und mit ihr ein Rückgang der Konjunktur in Deutschland. Damals drosselten die Erdöl exportierenden Länder die Fördermengen, um den Ölpreis zu erhöhen. Innerhalb eines Jahres stieg der Preis von Rohöl von drei Dollar auf 12 Dollar an. Deutschland mußte ca 17 Milliarden DM mehr für Öl ausgeben als 1972. Es war das Ende des Wirtschaftswunders. Die Bundesregierung erließ einen Anwerbestop, damit keine ausländischen Arbeiter mehr zuwandern konnten. Die Folgen davon waren
- steigende Arbeitslosigkeit
- höhere Ausgaben für Soziales
- verstärkte Inflation
- viele Unternehmen gingen pleite.
Massenarbeitslosigkeit nach der Ölkrise
Ab 1974 begann eine Phase der Massenarbeitslosigkeit, die noch immer anhält. Besonders in den Jahren 1974/75, 1981/82 und 1992/93 wurden stark Arbeitsplätze abgebaut. Es gab zwar jedesmal nach einer Phase des Abbaus von Arbeitsplätzen eine wirtschaftliche Erholung, in der wieder neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Aber da ständig mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt strömen, konnte nie wieder ein Ausgleich geschaffen werden. Jede Wirtschaftskrise erhöhte den „Sockel“ der Arbeitslosigkeit in Deutschland.
So ist die Arbeitslosigkeit von 1,3% im Jahr 1973 auf 9,9 % im Jahr 1999 gestiegen, obwohl in diesem Zeitraum netto 0,6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Seit 1974 versuchen immer mehr Menschen, Arbeit zu bekommen. Besonders Frauen, die früher eher daheim blieben, sind dazugekommen. Sie wollen sich eine soziale Unabhängigkeit schaffen und müssen teilweise auch ihr eigenes Leben gestalten. Das soll als zusätzlicher Faktor zur Arbeitslosigkeit in Deutschland beitragen.
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